
Schwerin, DAPD. Die Bemühungen der Landesregierung, mit Appellen und einem Vergabegesetz für öffentliche Aufträge die Tarifbindung in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns zu verbessern, hatten bislang nicht den erhofften Erfolg. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der oppositionellen Linksfraktion hervorgeht, lag der Anteil tarifgebundener Unternehmen im Jahr 2019 bei 23 Prozent. Im Jahr davor waren es demnach 27 Prozent. Der Anteil der Firmen, die sich bei der Lohngestaltung an Tarifabschlüssen für die jeweilige Branche orientierten, blieb gegenüber 2018 mit 28 Prozent gleich, lag in den Jahren davor aber auch schon höher.
„Die Tarifbindung im Land ist immer noch miserabel“, konstatierte der Linke-Landtagsabgeordnete Henning Foerster am Montag in Schwerin. Während bundesweit 52 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen arbeiteten, seien es in Mecklenburg-Vorpommern 44 Prozent. Foerster forderte die SPD/CDU-Regierung auf, „sich im Verbund mit Arbeitgebern und Gewerkschaften viel stärker für eine höhere Tarifbindung“ zu engagieren.
Die Landes-Vereinigung der Unternehmensverbände (VU) wies unter Hinweis auf die Unternehmensstruktur im Nordosten die Kritik der Linken zurück. Die Tarifbindung steige mit zunehmender Beschäftigtenzahl, doch sei die Wirtschaft in MV vornehmlich durch kleinste und kleine Betriebe geprägt. „Kein Drei-, Vier-, Fünf- oder auch Zehn-Mann-Betrieb wird sich einer Tarifbindung unterziehen, solange diese für den Betrieb nicht zu schulternde Ausgaben und kaum zu durchschauende Regularien mit sich bringt“, erklärte VU-Geschäftsführer Sven Müller. Er sprach sich für „flexible, auf den Betrieb ausgerichtete Tarifverträge“ aus. (DAPD)
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