
Schwerin, DAPD. Nach jahrelangen Ermittlungen beginnt am Landgericht Schwerin im Februar das Untreue-Verfahren gegen die Ex-Führungsspitze der Arbeiterwohlfahrt (Awo) aus Waren an der Müritz. Wie ein Gerichtssprecher am Montag erklärte, wird dem früheren Geschäftsführer Peter Olijnyk Untreue in drei besonders schweren Fällen vorgeworfen, seinem damaligen Kreisvorsitzenden und Awo-Vize-Landeschef Götz-Peter Lohmann Beihilfe zur Untreue. Zum Prozessbeginn am 11. Februar sollen die Anklagen verlesen und möglichst Aussagen der Beschuldigten entgegengenommen werden. Dann sind zehn weitere Verhandlungstage geplant. Der Bereicherungsskandal kam 2016 ans Licht. Er war Anlass für einen Landtagsuntersuchungsausschuss sowie für Ermittlungen des Awo-Landesverbandes zur Gehaltspraxis.
Die Beschuldigten sollen laut Staatsanwaltschaft unter Missachtung der Satzung des Awo-Kreisverbandes Verträge für Olijnyk mit unangemessen hohen Vergütungen, Tantiemen und Pensionsansprüchen geschlossen haben. Zugleich gab es einen Arbeitsvertrag für den 78-jährigen Ex-Kreisvorsitzenden mit einer Tochtergesellschaft. Darüber soll dieser rund 675.000 Euro ohne entsprechende Arbeitsleistungen erhalten haben. In beiden Fällen gab es den Ermittlungen zufolge nur die Unterschriften der Beschuldigten, eine dritte unabhängige Unterschrift fehlte.
Der 72-jährige Olijnyk soll dadurch von 2005 bis 2016, als er fristlos gekündigt wurde, Geldbeträge und Ansprüche in Höhe von 1,2 Millionen Euro erlangt haben. In einem Zivilprozess wurde er bereits rechtskräftig verurteilt, 390.000 Euro zurückzuzahlen. Den Männern, die die Vorwürfe bisher bestritten oder dazu schwiegen, wird zudem vorgeworfen, Vermögenswerte auf Familienangehörige verschoben zu haben, weil ihnen das Strafverfahren drohte. (DAPD)
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