Ex-Polizist im Interview: „Rechtsextreme sind nicht die Polizei“

19-Jähriger geht betrunken auf Polizisten los

DAPD hat einen ehemaligen Polizeibeamten für ein exklusives Interview gewinnen können. Das Interview geht aus Leserwünschen und öffentlichem Interesse hervor. Themenschwerpunkte: Rechtsextremismus, Querdenken und Migration.

DAPD: Herr Michael B., wir danken Ihnen sehr für Ihre Bereitschaft sich auf ein Interview mit unserem Sender einzulassen. Konkret wollen wir verschiedene Themen mit Ihnen besprechen, darunter Rechtsextremismus und die Entwicklung innerhalb der Polizei. Daher die erste Frage: Wie empfinden Sie Rechtsextremismus innerhalb der eigenen Reihen?

Michael B.: Gerne, denn auch wenn ich nicht mehr aktiv bin – es geht immer noch um meine Polizei, meinen ehemaligen Arbeitgeber und teilweise auch um meine ehemaligen Kollegen. Zu der Frage kann ich nur sagen, dass ich keine besonderen Fälle von Rechtsextremismus innerhalb der Polizei erlebt habe. Meiner Meinung nach hat sich die Gesellschaft überhaupt gewandelt, ebenso wie ihr Empfinden von Rassismus. Ausgelassen werden hingegen explizite Wahrheiten, die in diesem Land fortschreiten und sich auch auf die Polizei und die Beamten selbst auswirken.

Was genau meinen Sie mit „expliziten Wahrheiten“ und wie wirken sich diese auf die Beamten aus?

Damit sind zum Beispiel ganz grundlegende Probleme mit der Zuwanderung gemeint, etwa die Mentalität und Denkensweise von Ausländern. Dabei handelt es sich jedoch nicht um alle Nationalitäten, sondern überwiegend um Marokkaner, Tunesier, Araber, Türken – also all jene, welche aus muslimischen Ländern und Kulturen stammen.

Wie deuten Sie deren angesprochene Mentalität und die daraus resultierenden Probleme, insbesondere für die Polizei?

Konkret in Worte fassen kann ich das nicht, jedoch einige Beispiele zum Verständnis nennen. Etwa war ich mal zu einem Einsatz gerufen worden, nachdem eine Frau von ihrem albanischen Ex-Freund während eines Spaziergangs auf einem abgelegenen Feld bedroht worden war. Demnach soll sie der junge Mann, von dem sie bereits über fünf Jahre getrennt war, mit einem anderen Mann auf der Straße laufend gesehen haben. Als wir Polizeibeamten dann später bei dem Ex-Freund vor der Tür standen, ließ dieser sich zunächst auf ein Gespräch ein – gab uns aber von vornherein zu verstehen, dass er sich sowohl in seiner Eitelkeit gekränkt als auch im Recht fühle. Außerdem machte er uns unmissverständlich klar, dass wir ihm gar nichts zu sagen hätten – man könne ihm auch das SEK schicken, sagte er. Daran kann ich mich noch genau erinnern. Es war ein weiterer Einsatz, der mich spüren ließ, wie der gesellschaftliche Respekt vor der Polizei mehr und mehr verroht.

Der gesellschaftliche Respekt verroht, überwiegend nur bei Ausländern?

Nein, ich persönlich scheue im Übrigen das Wort „Ausländer“ – denn es verallgemeinert alle Nationalitäten zutiefst, wobei es überwiegend nur mit einer konkrete Probleme gibt. Es sind wie bereits genannt vor allem Menschen aus muslimischen Ländern und Kulturen, die der Polizei und zunehmend dem gesamten Rechtsstaat Probleme bereiten. Ich komme zurück auf die Mentalität dieser Menschen: viele denken, sie verfügten über ihr eigenes Rechtssystem und könnten entsprechend handeln. Statt nach einem blutigen Streit beispielsweise die Polizei zu rufen, bestellt man seine zwanzig Cousins zu sich und übt eigens Blutrache – ganz in gutem Gewissen. Einige dieser Menschen wollen sich nicht einem Staat oder einer Polizei unterordnen – und wie an vielen anderen Einstellungen halten sie sich auch daran fest und sorgen damit für massive Probleme. Doch vieles ist auch die Politik schuld, nicht nur diese Menschen.

Die Politik ist also mitverantwortlich, doch inwiefern?

Naja, die Politik hat eine Zuwanderung zugelassen, welche sich kontrollieren lässt – vor allem dann, wenn man Sicherheitskräfte zuvor in ihrer Stärke und Dichte geradezu halbiert, zahlreiche Behörden und Dienststellen dichtgemacht und auch die politische Haltung zur Polizei grundlegend geändert hat. Die Polizei hat im Grunde genommen nicht mehr viel zu melden in diesem Land. Und wenn ein Beamter mal durchgreift, dann ist ein zurechtgeschnittener Videomittschnitt am Abend in der „Tagesschau“ zu sehen. Dann entfacht erneut eine gesellschaftlich-mediale Debatte über vermeintliche Polizeigewalt, die den Respekt vor und das Ansehen der Polizei in den Dreck zieht – darüber hinaus Millionen Beamte mit zwei, drei Einzelfällen oder vermeintlichen Gewalttätern gleichsetzt.

Dann bewegen wir uns nun weg vom Rechtsextremismus und hin zu „Querdenken“, einer inzwischen landesweit bekannten Bewegung, die gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen demonstriert. Haben auch Sie davon gehört und wenn ja, was halten Sie von dem Protest?

Ja, auch ich habe von „Querdenken“ gehört. Ich persönlich betrachte den Protest von vielerlei Seiten: einerseits liegen des Protestanten mit dem was sie sagen und machen richtig, andererseits jedoch beobachte ich eine zunehmende Unterwanderung der eigentlichen Gruppierung, die nach und nach zu einer nachhaltigen Radikalisierung der Bewegung führen könnte.

„Radikalisierung“, „Unterwanderung“ – können Sie diese Wörter näher deuten?

Ja. „Querdenken“ wird insoweit unterwandert, dass sich mehr und mehr rechtsextreme und allgemein in ihrem Denken und Handeln extreme Gruppierungen unter die bürgerliche Mitte mischen. Damit schreitet automatisch auch eine zunehmende Radikalisierung voran, die dann einige Menschen dazu veranlasst, mit schwarz-weiß-roten Flaggen den Reichstag zu stürmen.

Sie sprechen schon selbst das Stürmen des Reichstags an, auch das Tragen von Reichsflaggen. Reichen diese Dinge für ein Verbot der Bewegung?

Nun ja, ich bin kein Staatsrechtler und auch kein Anwalt oder Richter. Dennoch würde ich behaupten, dass all das noch nicht für ein Verbot von „Querdenken“ ausreicht. Denn noch steht die deutliche Mehrheit des Protestes nicht für radikales Handeln – quasi dasselbe Prinzip wie bei der Polizei: Zwei, drei Nazis spiegeln nicht die gesamte Polizei, nicht einmal die Dienststelle der Beamten.

Angenommen, ein Verbot ist – wie nach jetzigem Stand – nicht möglich. Würden Sie dennoch für eines plädieren?

Nein, eben weil die deutliche Mehrheit der „Querdenker“ nicht zur Radikalität und zum Extremismus neigt, würde ich persönlich nicht für ein Verbot der Bewegung plädieren. Denn Protest ist auch Demokratie – und solange er überwiegend friedlich abläuft, muss er auch erlaubt sein.

Sie würden aber auch nicht unbedingt mitmachen?

Nein, nur ungern. Ich sehe auch, dass ebenfalls eine große Mehrheit der Bewegung eindeutig nationale bis völkische Gedanken vertritt, die EU verabscheut und US-Präsident Trump vergöttert. Größtenteils Dinge, von denen ich genau andersrum denke.

DAPD: Dann bedanken wir uns an dieser Stelle für Ihre Zeit, die Sie in unserer Interview investiert haben und freuen uns, in Zukunft erneut mit Ihnen zusammenarbeiten zu können.

Michael B.: Ich bedanke mich ebenfalls und hoffe ebenso, in Zukunft mit DAPD zusammenarbeiten zu können. Bis dann!

Das Interview wurde am 29.12.2020 für die Nachrichtenagentur DAPD durchgeführt. Der Eigentümer der Urheber-, Bild- und Textrechte ist die Ringier-Reuter Holding sowie Partner.

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