
Berlin (ddp) – In Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals mehr als 10 000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert. Am Donnerstagmorgen meldete das Institut auf seiner Webseite 11 287 neue Corona-Fälle. Das ist der höchste Wert in Deutschland seit Beginn der Pandemie – und ein Anstieg um knapp 3700 Fälle im Vergleich zum Vortag. Die Gesamtzahl der bestätigten Coronavirus-Fälle liegt nun bei 392 049.
Der letzte Höchstwert bei den Ansteckungen war am vergangenen Samstag mit 7830 neuen Fällen binnen 24 Stunden erfasst worden. Seitdem hatten die Neuinfektionen an mehreren Tagen die Marke von 7000 geknackt – zuletzt am Mittwoch mit 7595 Neuansteckungen.
Am Donnerstag vergangener Woche waren mit 6638 Fällen erstmals mehr als im Frühjahr gemeldet worden. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühling vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird – und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden. Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.
Mit Blick auf stetig steigenden Fallzahlen will das Robert-Koch-Institut am Donnerstag in einem Presse-Briefing im Online-Format zur Entwicklung der Pandemie in Deutschland informieren. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte zuletzt den Ernst der aktuellen Lage betont. „Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten“, schreibt das RKI in seinem Lagebericht vom Mittwoch. „Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert.“ Dazu zählt das RKI unter anderem Abstands- und Hygieneregeln auch im Freien, das Lüften von Innenräumen und – wo geboten – eine Mund-Nasen-Bedeckung.
Seit Anfang September schwankt die Zahl der Coronatests pro Woche zwischen 1,1 und 1,2 Millionen – mit ganz leicht steigender Tendenz. Die Positivenrate ist in der Zeit jedoch von 0,75 auf 3,63 Prozent gestiegen. Seit zwei Wochen steigt der Probenrückstau erneut an. Einige Labore wiesen auf Lieferschwierigkeiten für Arbeitsmaterialien hin.
Die Verbandschefin der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst hält das Szenario von Kanzlerin Angela Merkel nicht für übertrieben, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf mehr als 19 000 steigen könnte. „Als die Bundeskanzlerin vor einigen Wochen von 19 200 Neuinfektionen an einem Tag gesprochen hat, habe ich eine solche Entwicklung zunächst für unwahrscheinlich gehalten“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Aber so wie die Dinge derzeit verlaufen, halte ich das inzwischen für eine realistische Einschätzung.“
Merkel hatte bei einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums Ende September nach Angaben aus Teilnehmerkreisen vor einem deutlichen Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland gewarnt. Wenn diese sich wöchentlich so weiterentwickelten, werde es zu Weihnachten 19 200 Neuinfektionen am Tag geben, wurde sie zitiert.
Wenn in einer Region innerhalb kurzer Zeit die Infektionszahlen stark stiegen, wie im Landkreis Berchtesgadener Land, gerieten die Gesundheitsämter „rasch an die Grenze der Überforderung“, sagte Teichert. Sie räumte ein, besonders in Regionen mit sehr vielen Ansteckungen könnten derzeit nicht mehr alle Kontaktpersonen nachverfolgt werden.
Das Robert Koch-Institut hatte von neun Städten und Landkreise gesprochen, in denen etwa die Ermittlung von Fällen und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen nicht mehr vollständig gelinge. (jk)
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[…] Am Donnerstag verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Zuwachs der Neuinfektionen von 11 287, damit den höchsten Wert in Deutschland seit Beginn der Pandemie. Die Bundesrepublik ist damit offizieller Corona-Hotspot und Risikogebiet. (mehr dazu) […]