
Berlin (ddp) – Die strikten Ausgangsbeschränkungen im Berchtesgadener Land haben am Dienstag Hunderte Feriengäste zur Abreise gezwungen. Das örtliche Tourismusgewerbe schätzt die Zahl der Urlauber, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2500. Am Montag lag im Landkreis die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 272,8. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen an. Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen müssen an diesem Dienstag Hotels schließen – außer für Übernachtungen für Geschäftsreisende. Veranstaltungen werden untersagt, die Maskenpflicht an öffentlichen Orten und Verkehrswegen ausgeweitet.
Der Sommer sei zwar für manche Beherbergungsbetriebe sogar besser gelaufen als das Vorjahr, sagte eine Sprecherin der Berchtesgadener Land Tourismus. Aber: „Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert.“ Die Corona-Beschränkungen hatten damals Hoteliers und Gastgebern schwere Einbußen gebracht. Für die kommende Zeit gebe es nicht viele Stornierungen, sagte die Sprecherin – denn die meisten Gäste hätten sich ohnehin mit langfristigen Planungen zurückgehalten. Wie sich die hohen Zahlen und die Ausgangsbeschränkungen dauerhaft auswirkten, hänge nicht zuletzt davon ab, „wie lange das dauert und wie groß der Imageschaden ist“.
Auf die Frage, ob es nicht gefährlich sei, wenn nun Hunderte Touristen ungetestet abreisen, sagte Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) nach der Kabinettssitzung: Es sei „natürlich die Verantwortung jedes Einzelnen“, sich genau zu überlegen, wo er gewesen sei und wie hoch das Risiko einer Ansteckung gewesen sei, und „sich selber sicherheitshalber testen zu lassen“.
Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisierte den coronabedingten Tourismusstopp: „Wir verstehen nicht, warum es zu einer Zwangsschließung aller Beherbergungsbetriebe von jetzt auf gleich kommen muss“, sagte Präsidentin Angela Inselkammer. Die Hotels verfügten über Hygienekonzepte, die Gäste hielten sich in separaten Wohneinheiten auf und seien registriert. „Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, wäre es sicher zielführender, die Gäste in den Betrieben wohnen zu lassen und sie vor Abreise zu testen.“
Die Maßnahmen seien ein „tiefer und schmerzhafter Schlag für unsere mehr als gebeutelte Hotellerie und Gastronomie“, sagte Inselkammer und forderte schnelle Hilfen für die betroffenen Betriebe. © ddp-direct

