Die Sprach-Debatte ist schon lange zentrales Thema der Gesellschaft. Künftig sollen auch staatliche Behörden nachziehen und unter anderem den Begriff »Ausländer« meiden – stattdessen die Bezeichnung „Menschen mit internationaler Geschichte“ in Dokumenten verwenden. Darüber diskutierten am Montagabend die Gäste im TV-Talk „hart aber fair“ – wenn auch gespalten.

Berlin (SR) – Die neueste Ausgabe der ARD-Talkshow „hart aber fair“ dürfte erneut für gesellschaftliche wie auch politische Debatte sorgen. Konkret war das Thema der heutigen Sendung die Sprache.
Die Debatte um diskriminierende Sprache polarisiert. Auf der einen Seite Verfechter einer sich weiterentwickelnden Sprache, die rassistische, sexistische oder anders diskriminierende Worte ausmerzt. Auf der anderen Seite die Kritiker der Gender-Sprache.
Als Beispiel der jüngsten Sprach-Diskussion bebilderte die ARD-Redaktion das Thema mit einem Glas „Zigeunersauce“ und dem Schild der umstrittenen Haltestelle „Mohrenstraße“ – vielversprechende Vorschau auf den TV-Abend. Auffallend ist, dass nicht nur Deutsche an der Diskussionsrunde teilnahmen – sondern auch Betroffene von Ressentiments.
Darunter der TV-Journalist und Komiker Jürgen von der Lippe, der seine Position zu dem heiklen Thema bereits zu Beginn der Sendung verdeutlichte: Gender-Sprache lehne klar ab.
Die Publizistin Stefanie Lohaus dagegen spricht sich klar für die „Fortentwicklung der deutschen Sprache“ aus. Im TV-Talk nahm sie einen großen Teil der Diskussion ein.
Ebenso auf gleicher Ebene agierte und argumentierte der singhalesisch-deutsche Theologe Stephan Anpalagan. Auch er setzt sich klar für die Entwicklung zu einer „Sprache ohne Diskriminierung“ ein.
Unter den Gästen befand sich jedoch auch der dunkelhäutige Andrew Onuegbu, der ursprünglich aus Nigeria stammt und seit 1992 in Deutschland lebt. Er betreibt ein Restaurant in Kiel, welches bewusst den Namen »Zum Mohrenkopf« trägt – zwar erhielt er für diesen mutigen Schritt überwiegend Zuspruch, von Befürwortern der Gender-Sprache jedoch auch erhebliche Kritik.
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Schon in der Einleitungsmoderation machte Moderator Frank Plasberg deutlich, dass es eben nicht nur um „Zigeunersauce“ oder ein Halteschild „Mohrenstraße“ geht, sondern um die Wirkung von Sprache. Nach kurzem Geplänkel mit Svenja Flaßpöhler wurden die Fronten des Abends recht schnell geklärt.
Anpalagan und Lohaus sprachen sich klar für eine gendergerechte und diskriminierungsfreie Sprache aus, inklusive Gendersternchen und der Veränderung von klassischer Literatur. Auf der anderen Seite standen Weiler und von der Lippe.
Die Lager besprachen zunächst die Frage, ob Sprache auch das Bewusstsein formt. Schriftsteller Jan Weiler meinte: „Die Sprache ist unschuldig. Es geht darum, die Diskriminierten von ihren Diskriminierungen zu befreien.“ Anpalagan und Lohaus stellten sich klar dagegen, die Publizistin meinte: „Das Gegenteil ist der Fall. Sprache konstituiert unser Denken, ja, sogar unsere Emotionen.“
Schließlich wurde es hitziger: Publizistin Lohaus und Philosophin Flaßpöhler gerieten aneinander und legten erstmal grundlegende Regeln für eine Diskussion fest. Sie einigten sich darauf, dass es wichtig sei, zuzuhören.
Danach kühlte die Diskussion wieder etwas ab. Moderator und Gäste hangelten sich entlang diverser Beispiele für diskriminierende Sprache.
Zum Schluss versuchte Moderator Frank Plasberg, die hitzigen Gemüter zu beruhigen – doch das funktionierte nicht wirklich: zu sehr gespalten waren die TV-Gäste.
© SR-ID


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