Die Münchner Polizei hat offenbar mit einem Drogenskandal in den eigenen Reihen zu kämpfen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 21 Beamte, an diesem Mittwoch fand eine große Razzia statt.

München (sr) – Knapp 200 Ermittler durchsuchten insgesamt 37 Objekte in ganz Bayern, darunter die Hochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck. Versinkt die Münchner Polizei in einem riesigen Drogenskandal?
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen 21 Beamte wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, an diesem Mittwoch kam es zu einer Großrazzia. Beteiligt waren 19 Staatsanwälte, mehr als 70 Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) sowie rund 100 Polizeibeamte des Polizeipräsidiums München und der Kriminalpolizeiinspektion Augsburg.
Durchsucht wurden insgesamt 37 Objekte (30 Wohnungen und 7 Dienststellen) in München, im Landkreis München, in Augsburg, Dachau, Wolfratshausen und Ebersberg. Auch die Hochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck war Ziel der Razzia. Unterstützt wurden die Fahnder durch Spezialeinsatzkommandos (SEK) aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen.
Hintergrund der spektakulären Aktion: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seit Mitte Juli 2018 gegen mittlerweile 21 Beamte des Münchener Polizeipräsidiums und 17 weitere Beschuldigte wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Antidopinggesetz. Gegen einzelne Polizeibeamte wird außerdem wegen des Verdachts der Verfolgung Unschuldiger, des Verwahrungsbruchs oder der Strafvereitelung im Amt ermittelt.
Der Drogenverdacht gegen die Polizisten war während der Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen Rauschgifthändler im Zusammenhang mit dem Münchener Club „Heart“ aufgekommen. Ein Kronzeuge hatte ausgepackt und dabei auch zwei Polizeibeamte belastet. Daraufhin übernahmen die internen Ermittler des LKA zusammen mit der Staatsanwaltschaft München I die weiteren Ermittlungen.
Seitdem wurden über Monate hinweg zahlreiche Durchsuchungen durchgeführt sowie toxikologische Gutachten eingeholt. Inzwischen richten sich die Ermittlungen gegen 21 (teilweise bereits suspendierte) Polizeibeamte auf 9 Dienststellen und 17 weitere Personen, darunter Drogenhändler und Verkäufer von Dopingmitteln.
Einer der beschuldigten Beamten verrichtet derzeit seinen Dienst bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, ein anderer hat vor kurzem den Dienst bei der Polizei unterbrochen, um an der Hochschule der Polizei in Fürstenfeldbruck zu studieren, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
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