
Berlin (EPA) – In Deutschland steigen die Corona-Zahlen weiter an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag den zweiten Tag in Folge über 1000 Neuinfektionen.
Mit den 1147 Neuinfektionen war der Anstieg zudem um rund 100 höher als am Vortag. Insgesamt gab es damit in Deutschland 214.000 Infektionen. Rund 195.900 Menschen sind dem RKI zufolge genesen, 9183 gestorben. Damit gibt es gut 9000 akut Infizierte, die das Virus weitergeben können. Es breitet sich flächendeckend in immer mehr Landkreisen aus und wird zunehmend bei Urlaubsrückkehrern entdeckt. “Dieser Trend ist beunruhigend”, schreibt das RKI. Ab Samstag greift für Rückkehrer aus Risikogebieten die Testpflicht, um neue Fälle schneller isolieren zu können. In Mecklenburg-Vorpommern mussten kurz nach Ferien-Ende schon erste Schulen wegen Corona-Fällen wieder schließen.
Obwohl die Pandemie in Deutschland immer noch vergleichsweise milde verläuft, deckt sich der Trend mit vielen weiteren Staaten. In den USA sind fast fünf Millionen Infektionen bestätigt, die Zahl der Toten könnte bis Jahresende einer Studie der Uni Washington zufolge auf 300.000 steigen. Bisher sind mehr als 159.000 Menschen in den USA an Covid-19 gestorben. Aber auch in Osteuropa breitet sich das Virus wieder schneller aus: In Deutschlands Nachbarland Polen erreichten die Neuinfektionen mit über 800 einen weiteren Höchststand in den letzten Wochen.

SPAHN: 1000 NEUINFEKTIONEN AM TAG NOCH BEHERRSCHBAR
Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete den Anstieg bei den Neuinfektionen in Deutschland derzeit beherrschbar. “Mit um die 1000 Neuinfektionen pro Tag kann das Gesundheitswesen umgehen”, sagte er am Donnerstagabend im ZDF. “Aber wir bleiben aufmerksam, was die weitere Dynamik angeht.”
Nach einer Verordnung von Spahn müssen sich ab Samstag alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten testen lassen. Die Kosten übernimmt der Staat. Weltweit sind viele Reiseländer als Risikoregionen von Auswärtigem Amt und RKI eingestuft, darunter die Türkei. In Europa gehören unter anderem Barcelona und die Costa Brava in Spanien dazu. Der Wirtschaftsrat der CDU verlangte ein Reiseverbot in solche Gebiete. “Reisen in Risikogebiete müssten konsequenterweise auch untersagt werden. Das Reiserecht kann nicht höher bewertet werden, als die Rechte von Millionen Deutschen, denen ansonsten ein erneuter Lockdown droht”, sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger der “Bild”-Zeitung. In vielen Bundesländern gehen derzeit die Sommerferien zu Ende und es wird mit einer Welle von Reiserückkehren gerechnet.

In Mecklenburg-Vorpommern, wo der Unterricht bereits begonnen hatte, mussten zwei Schulen wieder geschlossen werden. In Ludwigslust traf es ein Gymnasium, wo sich eine Lehrerin infiziert hat. Sie habe im neuen Schuljahr noch nicht wieder an der Schule unterrichtet, allerdings bei einer Fortbildung Kontakt mit anderen Lehrern gehabt, teilte das Landkreis-Amt mit. Im Landkreis Rostock wurde eine Grundschule für zwei Wochen geschlossen, da sich ein Schüler infiziert hatte. Beschäftigte und Schüler wurden unter Quarantäne gestellt.
Angesichts der gestiegenen Infektionszahlen forderte der Deutsche Städtetag ein bundesweit abgestimmtes Krisenmanagement. Wichtig sei eine adäquate Reaktion auf die jeweils aktuelle Lage vor Ort, sagte Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. “Dazu gehört aber auch, die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz überregional und bundesweit abzustimmen und zu koordinieren.

In den vergangenen Monaten war immer wieder Kritik am uneinheitlichen Vorgehen des Bundes und einzelner Länder sowohl bei der Anordnung von Beschränkungen als auch bei der Lockerung laut geworden.
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