Islamisches Opferfest: Kann Religion über Tierwohl stehen?

Das Opfer in Kult und Religion: Blut - Ein Band zu Gott ...
Foto: EPA/dpa-Archiv

Berlin (EPA) – Es ist eine fürchterliche Barbarei, eine schreckliche Tierquälerei für den islamischen Gott: Das Opferfest, bei welchem Tieren zum Zwecke des „Reinblutens“ unter Qualen die Kehle durchtrennt wird und bei welchem nach Schätzungen der Bundestierärztekammer alleine in Deutschland jährlich mehr als 500.000 Schafe getötet werden. Doch was sagen die großen Tierschutzorganisationen, wie etwa PETA und der Deutsche Tierschutzbund, dazu?


WAS.HEISST.OPFERFEST?


Das islamische Opferfest wird auch Id ul-Adha oder Eid ul-Adha genannt und ist zusammen mit dem Zuckerfest die bedeutendste Festlichkeit im islamischen Jahr. Es wird einmal jährlich von Muslimen weltweit gefeiert.

Mit dem islamischen Opferfest ehren Muslime den Propheten Abraham, der nach der Überlieferung im Vertrauen zu Gott bereit war, seinen eigenen Sohn zu opfern. Im letzten Augenblick verhinderte Gott das Opfer und Abraham opferte stattdessen ein Lamm. 

Diese Prüfung Abrahams ist nicht nur im Koran, sondern auch in der Bibel und in der Tora überliefert. Abraham gilt wegen seines uneingeschränkten Gottvertrauens als Stammvater der drei monotheistischen Religionen.


WIE.WIRD.GESCHLACHTET?


Es gibt strenge religiöse Auflagen und Regeln für die Tierschlachtung zum Opferfest. Die Schlachtung selbst darf nur der älteste Mann einer Familie durchführen. 

Für das Ritual – auch Schächtung genannt –werden häufig Schafe oder Ziegen verwendet. Dem Tier werden die Augen verbunden und es wird so positioniert, dass sein Kopf in Richtung Mekka zeigt. Anschließend wird die Hauptschlagader des Tieres durchtrennt und es wird an den Hinterbeinen aufgehängt. Dadurch kann das Blut aus dem Körper des Tieres fließen. Das Schaf oder die Ziege wird für das Ritual nicht betäubt

Das Opfertier wird nach islamischen Regeln geschächtet – das heißt ausgeblutet –, da Blut im Islam als unrein gilt.


DAS.GRÖSSTE.OPFERFEST

Mit Macheten hacken die Schlachter auf die Tiere ein
Foto: EPA Presse-Agentur/dpa

Die Kadaver liegen dicht an dicht auf dem Boden. Überall Blut und abgetrennte Köpfe. Es sind schaurige Bilder vom größten Tieropferfest der Welt.

Aufnahmen aus vergangenen Jahren zeigen, wie sie Rindern, die in Panik flüchten wollen, von hinten in die Beine hacken, ihnen dann den Kopf abschlagen. Laut der Organisation Animal Equality kam es dieses Jahr sogar zu sexuellem Missbrauch einiger Tiere.

Ein Mann schneidet Fleisch von einem geopferten Tier

Das furchtbare, zweitägige Gemetzel soll Gadhimai, die Göttin der Macht, milde stimmen. Die Festgäste bejubeln den Tod zehntausender Tiere.

Gläubige Hindus bringen die Tiere her, weil sie hoffen, dass so ihre Wünsche in Erfüllung gehen, ihnen etwa ein Sohn geboren wird oder sie eine Prüfung bestehen.

Nach EPA-Informationen kommen alle fünf Jahre mehrere Hunderttausend Tiere – darunter Schafe, Ziegen und Rinder – durch das Opferfest ums Leben.


WAS.SAGEN.TIERSCHÜTZER?


Die EPA Presse-Agentur hat bei Europas größter Tierschutzorganisation, dem Deutschen Tierschutzbund e.V., nachgefragt und Antworten auf die wichtigsten Fragen erhalten:

EPA: Was halten Sie als Tierrechtsorganisation von der quälenden Vorgehensweise bei der rituellen Schächtung?

Tierschutzbund: Der Deutsche Tierschutzbund lehnt das betäubungslose Schlachten als Tierquälerei ab. Die Tiere durchleiden einen Todeskampf, der Minuten andauern kann, mit höllischen Schmerzen, Atemnot und Todesangst bis sie schließlich verbluten.

EPA: Würden Sie sich für ein deutschlandweites Verbot von Schächtungen (ohne Ausnahmeregelungen) einsetzen, wie etwa die Tierrechtsorganisation PETA?

Tierschutzbund: Wir fordern wir ein generelles und von den Beweggründen unabhängiges Verbot des betäubungslosen Schlachtens, um den Tieren unnötige Schmerzen und Leiden zu ersparen.

EPA: Stimmen Sie der politischen Auffassung der Religionsfreiheit zu; kann Religion über Tierschutz stehen?

Tierschutzbund: In unserem Grundgesetz gehört die Religionsfreiheit ebenso wie der Tierschutz zu den verfassungsmäßig geschützten Grundwerten, wobei das Staatstiel Tierschutz der Religionsfreiheit nicht unterlegen ist, sondern im Wege der „praktischen Konkordanz“ jeweils fallbezogen auszulegen ist. Dies setzt voraus, dass auch bei der Religionsfreiheit nach Wegen gesucht werden muss, unnötiges Tierleid zu verhindern! Hierfür setzen wir uns ein.

Deutschlands bekannteste Tierschutzorganisation PETA teilte auf EPA-Anfrage ausschließlich mit, dass man derzeit keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben werde.

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